Keine Kunst! Keine Kunst?

Stolpersteine – der Begriff ist mittlerweile Europaweit eng verbunden mit der Arbeit des Künstlers Gunther Demnig. Seit 1997 erstellt er kleine Messingplatten auf Pflastersteinen, auf denen die Namen von Opfern des Nationalsozialismus eingraviert sind. Den Verlegungen auf Bürgersteigen geht in Schulen und privaten Initiativen immer auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Rassenverfolgung im Dritten Reich einher. Die Erinnerung an Menschen, die die Nazis verfolgten und töteten, lebt so in den jeweiligen Ortschaften ein kleines Stück auf. Man „stolpert“ über den Namen im Trottoir und wird sich bewusst, dass das damalige Unrechtssystem tatsächlich vor der eigenen Haustür stattfand. Mit einfachen Mitteln an vielen Orten so große Resonanz herzustellen ist großARTig.

Mehr als 30.000 Stolpersteine hat Gunther Demnig in ganz Europa mittlerweile verlegt. So auch mehrmals in Würselen, z.B. auf dem Lindenplatz am 16. Januar 2008.

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Wie in verschiedenen Gazetten zu lesen und bei der Fernsehsendung Monitor am 16.06.2011 zu sehen, kam das Finanzamt Köln nun auf eine neue steuerliche Bewertung der Stolpersteine. Anstatt des für Kunstwerke geltenden Steuersatzes von 7 Prozent, sollte Demnig nun den vollen Satz in Höhe von 19 Prozent abdrücken. Rückwirkend! Begründung wie ich sie verstehe: da die Stolpersteine in so großer Stückzahl hergestellt würden, sei es „Fließbandarbeit. Im Übrigen könne so eine beschriftete Metallplatte bzw. ein Hinweisschild auch einfach an eine Hauswand montiert werden. Nix ungewöhnliches also und damit auch keine Kunst.

Joh, nun kenne ich mich im Steuerrecht natürlich nicht aus und ein vermeintlich gesunder Menschenverstand muss mit diesem auch nicht zwingend korrespondieren. Aber mal ehrlich: was geht da in so einem Kopf eines Verwaltungsfachmenschen vor, um zu so einer Bewertung zu kommen und die mehrfach ausgezeichnete Kunstaktion mit – wie ich finde – herausragenden geschichtlichem Wert, um des schnöden Mammons wegen auf eine 2 Millimeter Metallplättchenbeschriftungsaktion herunterzuwerten und abqualifizieren?

Unglaublich!

Auch wenn es wohl zwischenzeitlich eine ersten gerichtliche Auseinandersetzung gegeben hat, bei der die Finanzverwaltung auf die Rückzahlung bisheriger Mittel verzichtete, halte ich die Aktion der Finanzbehörde schlicht für einen Skandal. Köln braucht wohl Geld, wa…?!

Ich wünsche Gunther Demnig jedenfalls viel Kraft und Steherqualitäten, sich dieser Bewertung klar entgegenzustellen und weiterzukämpfen, damit die Stolpersteine zukünftig auch bei Finanzens als Kunstwerke gelten.

Sachen gibt´s …

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Hallo Ralf, wie heist dieses tolle Kommentar-Plugin ?! Ich würde es auch gerne bei mir einbauen 😉
    Grüße
    Friedrich

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