Eule unter Druck

Und dann stand sie da, am 1. April 2016, wenige Schritte vor dem Hochaltar von St. Sebastian in Würselen und noch vor der Leinwand, die die Pfeifen der Kirchenorgel live und in Farbe übertrug: Barbara Dennerlein. DIE Barbara Dennerlein! Der Förderverein Kirchenmusik St.Sebastian e.V. hatte geladen.

Charmant wie immer begrüßte Sie ihr Publikum im „Dom“, dass äußerst zahlreich erschienen war, um „der Queen der Hammond Orgel“ (Zitat Pfarrer Rainer Gattys) zuzuhören. Erstmals vor fast 20 Jahren, im Mai 1996, hatte sie ihren letzten Auftritt in Würselen. Seinerzeit auf Burg Wilhelmstein, die ihr als besonders außergewöhnliche und stimmungsvolle Lokation durchaus in Erinnerung geblieben ist.

Ich war damals dabei. Und viele weiter Male an verschiednen Orten. Deshalb habe ich beim Pastörchen auch darum geworben, diese Weltklassemusikerin mal an die (noch fast) neue Eule Kirchenorgel, welche vor knapp 5 Jahren in Würselens größter Kirche feierlich eingeweiht wurde, ran zu lassen. Schließlich gehört zu Dennerleins Repertoire nicht nur sensationell an ihrer („synthesized gepimpten“) Hammond B3 zu wirbeln. Seit Jahren spielt sie ihren selbst komponierten Blues und Jazz virtuos auch an vielen Kirchenorgeln der Welt. Und das geht! Trotz der großen Unterschiedlichkeit von Raum, Klang und Dynamik. Was an diesem Abend nicht nur die fast 700 Besucher/innen erlebten, sondern auch die Eule selber, für die es wohl eine besondere Erfahrung war…

Herausragend und für viele sicherlich auch herausfordernd war an diesem Abend das Stück „change of pace“. Barbara Dennerlein wies vorher extra noch darauf hin, dass die Rhythmen variieren und es laut werden wird. Joh, wurde es dann an einer Stelle des Stückes auch. Mehrere Minuten lang wurde aus (vermutlich) allen Pfeifen geblasen, was die Eule hergab. „Das Atmen des wunderbaren Instrumentes“ sollte gespürt werden. Der Klangkosmos, den Dennerlein mit zwei auf der Klaviatur aufgelegten Unterarmen und beiden Füßen auf der Pedalerie minutenlang erzeugte, war gigantisch. Von atmen konnte aber keine Rede sein, denn die beiden Orgelblasmotoren mussten alles in eine Richtung  hergeben, was sie konnten. Ich konnte mir vor meinem geistigen Auge richtig vorstellen, wie die Eule große Augen gemacht hat…

Zur Beruhigung von Mensch und Maschine gab es anschließend noch´n Blues und final „New York Impressions“. Ein Stück, bei dem auch DAS obligatorische Kirchenorgelstück überhaupt, die Toccata von Bach, am Ende geschmeidig mit einfloss.

Was folgte war klar: minutenlange standing ovation, wie es sie im Kirchengemäuer möglicherweise so auch noch nicht gegeben hat. Da eh´ alle einmal standen gab es abschließend noch eine swingende Zugabe und die Möglichkeit, anschließend mit der Künstlerin zu plaudern.

Sogar für Selfies mit jugendlichen Fans war sich Barbara nicht zu schade. Das war mein mittlerweile 10. Konzerterlebnis mit der Queen, 20 Jahre nach dem ersten. Wenn das kein Grund für ein Jubiläumsselfie war.

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